Das Selbstverständnis der LAG Migrantische Linke / LINKS*KANAX NRW ist die politische Grundlagenschrift der Landesarbeitsgemeinschaft Migrantische Linke / LINKS*KANAX in der Partei Die Linke Nordrhein-Westfalen. Es wurde beim Gründungstreffen am 7. Juni 2026 beschlossen (Stand der hier wiedergegebenen Fassung: 03.07.2026) und dient als langfristige politische Grundlage, Orientierung und Referenz für die innerparteiliche Arbeit, Interventionen, Bündnisse und öffentliche Positionierungen der LAG.
Wir sind migrantische, rassifizierte und von Rassismus sowie damit verbundenen intersektionalen Diskriminierungserfahrungen betroffene Mitglieder und Unterstützer*innen der Partei Die Linke in NRW. Wir organisieren uns, weil wir wissen: Eine linke Partei, die migrantische Perspektiven nicht systematisch einbindet, bleibt strukturell verfehlt, gesellschaftlich entfremdet und strategisch schwach. Gerade in einem migrantisch geprägten Land wie NRW. Migration ist kein Randthema. Rassismus ist kein Nebenwiderspruch. Beide prägen die gesellschaftliche Realität der Bundesrepublik und Nordrhein-Westfalens seit Jahrzehnten.
Unsere Lebensrealitäten sind Teil der sozialen, ökonomischen und politischen Wirklichkeit dieses Landes. NRW ist geprägt von Migration, Vielfalt und postmigrantischer Realität. Diese Realität muss sich auch in politischen Strukturen, Entscheidungen und Machtverhältnissen widerspiegeln.
Wir sind Teil dieser Gesellschaft. Wir sind Teil Nordrhein-Westfalens. Wir sind Teil dieser Partei. Und wir haben Anspruch auf Macht, Einfluss und Entscheidungskompetenz: auf Mitbestimmung der Machtverhältnisse, auf politische Entscheidungen, die wir nicht nur mittragen, sondern mitgestalten, und auf gesellschaftlichen Einfluss, den wir aktiv ausüben.
Die Landesarbeitsgemeinschaft Migrantische Linke / LINKS*KANAX NRW (LAG) ist eine NRW-weite innerparteiliche Struktur der Partei Die Linke für Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte sowie für alle, die von Rassismus sowie damit verbundenen intersektionalen Diskriminierungserfahrungen betroffen sind, sofern sie sich als emanzipatorische Linke verstehen. Sie ist Teil der Bundesarbeitsgemeinschaft Migrantische Linke / LINKSKANAX (BAG).
Die LAG versteht Migrations- und Fluchtgeschichte nicht als starre Kategorie, sondern als politische und gesellschaftliche Positionierung in einer postmigrantischen Gesellschaft. Maßgeblich sind strukturelle Erfahrungen von Ausschluss, Zuschreibung und Rassifizierung sowie die emanzipatorische politische Selbstverortung.
Die LAG versteht sich zugleich als offener politischer Raum für migrantische, rassifizierte und von Rassismus sowie damit verbundenen intersektionalen Diskriminierungserfahrungen betroffene Menschen in NRW, die unsere politischen Grundsätze teilen. Menschen, die unsere politischen Grundsätze teilen, aber noch kein Mitglied der Partei Die Linke sind, sind herzlich willkommen, sich einzubringen, mitzudiskutieren und gemeinsam mit uns politische Perspektiven zu entwickeln. Wir sind und bleiben weltoffen.
Unser politischer Ausgangspunkt ist der Kampf gegen Kapitalismus, Rassismus, Sexismus sowie koloniale und postkoloniale Machtverhältnisse — gesellschaftlich, stadtpolitisch und innerparteilich. Wir verstehen Rassismus als strukturelles Herrschaftsverhältnis. Er wirkt nicht nur individuell, sondern durch Gesetze, Institutionen, Sicherheits- und Migrationspolitik, den Arbeits- und Wohnungsmarkt, das Bildungs- und Gesundheitssystem — und auch durch Parteistrukturen, Entscheidungslogiken und politische Prioritätensetzungen.
Unser Verständnis von Internationalismus ist untrennbar mit einem klaren Anti-Imperialismus verbunden. Globale Ungleichheiten, Fluchtbewegungen, Kriege und autoritäre Entwicklungen sind nicht zufällig, sondern Ergebnis imperialistischer Machtverhältnisse, wirtschaftlicher Ausbeutung und neokolonialer Politik auch unter Beteiligung Deutschlands und der Europäischen Union.
Wir lehnen es bewusst ab, Unterdrückungs- und Diskriminierungsformen gegeneinander auszuspielen, selektiv zu behandeln oder hierarchisch zu ordnen. Unterdrückungs- und Diskriminierungsformen wirken intersektional; dementsprechend denken und handeln wir intersektional.
Unterdrückung wirkt unterschiedlich, aber niemals isoliert. Versuche, einzelne Erfahrungen politisch herauszulösen, zu relativieren oder zur Delegitimierung anderer zu nutzen, dienen nicht der Aufklärung, sondern der Spaltung. Unser Ansatz ist solidarisch, antirassistisch und nicht sektiererisch.
Politische Teilhabe bedeutet für uns nicht Sichtbarkeit, sondern Wirksamkeit durch Mitbestimmung der Machtverhältnisse. Migrantische Perspektiven dürfen nicht angehört werden, um anschließend ignoriert zu werden. Sie müssen sich in Entscheidungen, Programmen, Personalfragen, Ressourcenverteilung und strategischer Ausrichtung der Partei widerspiegeln.
Repräsentation ohne Entscheidungsmacht ist keine Teilhabe, sondern symbolische Verwaltung von Ungleichheit.
Wir verstehen unsere Rolle nicht als symbolische Präsenz oder repräsentatives Aushängeschild. Wir lehnen jede Form von Tokenisierung ausdrücklich ab. Migrantische Selbstorganisation darf nicht zur nachträglichen Legitimation bereits getroffener Entscheidungen genutzt werden.
Die Linke Nordrhein-Westfalens bildet die gesellschaftliche Vielfalt dieses Landes bislang nicht ausreichend in ihren Strukturen ab. Diese Realität ist kein individuelles Versagen, sondern Ausdruck struktureller Ungleichheiten. Ausschlüsse, insbesondere rassistische Ausschlüsse, entstehen durch Routinen, informelle Netzwerke, diskriminierende Entscheidungslogiken und politische Schwerpunktsetzungen.
Nicht beratend. Nicht moderierend. Sondern gestaltend.
Demokratie endet für uns nicht an Staatsbürgerschaften. Wer hier lebt, arbeitet, Familien gründet, sozial verwurzelt ist und den gesellschaftlichen Alltag mitträgt, hat das Recht, die politische Agenda und die Entscheidungen, die das eigene Leben betreffen, mitzugestalten und mitzuentscheiden.
Drittstaatsangehörige dürfen weder den Bundestag, das Europäische Parlament, den Landtag noch die Stadträte und Kreistage wählen. EU-Bürger*innen dürfen auf kommunaler Ebene und bei Wahlen zum Europäischen Parlament wählen, nicht jedoch den Landtag und den Bundestag. Das ist kein Randproblem, sondern ein demokratisches Defizit.
Diskriminierung in zentralen Lebensbereichen wie Wohnungsmarkt, Arbeitsmarkt, Bildungssystem, Gesundheitssystem und öffentlicher Verwaltung ist keine Ausnahme, sondern strukturelle Realität. Das Landesantidiskriminierungsgesetz ist ein wichtiger Schritt für NRW.
Soziale Rechte dürfen nicht an Staatsangehörigkeit oder Aufenthaltsstatus gebunden sein. Migrantische Mieter*innen sind besonders häufig von Verdrängung und Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt betroffen. Deshalb ist Mietenpolitik auch eine antirassistische Frage.
Die Verschärfung von Polizeigesetzen, Sicherheitsbefugnissen und Überwachungsinstrumenten sehen wir mit großer Sorge. Racial Profiling, kriminalisierende Kontrollen und institutionelle Diskriminierung sind reale Erfahrungen — auch in NRW, besonders an sogenannten kriminalitätsbelasteten Orten und besonders für bestimmte rassifizierte Gruppen.
Rassistische Gewalt ist eine reale Bedrohung für viele Menschen in dieser Gesellschaft. Die Erfahrungen rund um den NSU-Komplex und rassistische Anschläge auf migrantische Communities prägen bis heute das Misstrauen vieler Menschen in staatliche Institutionen.
Der gesellschaftliche Rechtsruck ist real. Rechte Diskurse, autoritäre Politikansätze und migrationsfeindliche Narrative haben an Einfluss gewonnen — bis in die gesellschaftliche Mitte hinein.
Migration, Grenzpolitik und Abschottung sind europäisch organisiert. Eine linke Antwort auf Flucht, Migration und globale Ungleichheit muss deshalb auch auf europäischer Ebene solidarisch, antirassistisch und konsequent grundrechtsorientiert sein.
Antirassismus, Klassenkampf, queerfeministische Kämpfe, Klima- und Mietenkämpfe sind untrennbar miteinander verbunden. Kapitalismus funktioniert durch Spaltung, rassifizierte Arbeitsteilung und globale Ausbeutung — insbesondere des Globalen Südens.
Wir verstehen uns als Teil gesellschaftlicher Bewegungen — in Communities, Initiativen, Gewerkschaften und auf der Straße. LINKS*KANAX NRW steht für eine Partei in Bewegung. Nicht für Verwaltung. Sondern für Veränderung.
LINKS*KANAX NRW ist kein unverbindlicher Diskussionsraum. Wir sind eine innerparteiliche Struktur mit Haltung und politischem Anspruch.
Wir sind plural, aber nicht beliebig.
Wir sind konfliktfähig, aber solidarisch.
Wir sind offen, aber nicht kompatibel mit rechten Verschiebungen.
Unser Ziel ist eine kämpferische linke Partei, die gesellschaftliche Realität nicht verwaltet, sondern verändert. Eine Partei, in der migrantische Perspektiven nicht symbolisch vertreten, sondern politisch wirksam sind. Eine Partei, die NRW in seiner tatsächlichen Vielfalt abbildet.
LINKS*KANAX NRW versteht sich als Ort der Organisierung, des Austauschs und des gemeinsamen politischen Handelns — für Menschen, die etwas verändern wollen. In der Partei und darüber hinaus.
Dieses Selbstverständnis ist die gemeinsame politische Grundlage der LAG Migrantische Linke / LINKS*KANAX NRW und wurde beim Gründungstreffen am 7. Juni 2026 beschlossen. Es dient als langfristige politische Grundlage, Orientierung und Referenz. Es ist Maßstab für die innerparteiliche Arbeit, Interventionen, Bündnisse und öffentlichen Positionierungen der LAG. Auf diesen Text kann verwiesen werden.
Selbstverständnis LAG Migrantische Linke / LINKS*KANAX NRW, geänderte Fassung, Stand 03.07.2026, beschlossen beim Gründungstreffen am 7. Juni 2026 (internes Grundlagendokument der LAG).